Wer sich auf die Wohnungssuche in Erlangen begibt, weiß: Eine bezahlbare, schöne und zentrale Wohnung zu bekommen, ist ungefähr genauso schwierig wie einen Nürnberger zu treffen, der gut über Fürth spricht, oder in der Fürther Königstraße anderes Essen als Döner zu finden.

Wer glaubt, dass man in Erlangen schnell eine Wohnung findet, die die drei Traumeigenschaften – günstig, schön und zentral – besitzt, fällt schnell von der rosa Wolke auf das eiskalte Erlanger Pflaster. Der durchschnittliche Mietpreis für eine 30 Quadratmeter-Wohnung liegt bei 14,39€ pro Quadratmeter.

Du brauchst starke Nerven, viel Geduld und am besten einen Simensianer als Mitbewohner. Dann ist dein Wohnungs-Angebot durch die vielen Ausschreibungen im internen Siemensportal nämlich dreimal so groß.

Jung, hoffnungsvoll, naiv

Frischer Ersti, 18 Jahre jung, noch nie allein gelebt – man braucht nicht viel. Günstig muss sie sein, zentral soll sie sein, völlig ranzig vielleicht auch nicht. Die Ansprüche an eine Wohnung sind nicht hoch und trotzdem ist es zum Haare-Raufen. Im Oktober ist der Wohnungsmarkt in Erlangen so leer wie das Klopapier im ersten Corona Lockdown.

Du schleppst dich von WG-Casting zu WG-Casting, kämpfst nach der fünften Absage mit deinen Selbstzweifeln und fragst dich, ob du wirklich so einen unsympathischen Eindruck machst. Gleichzeitig schraubst du deine Ansprüche mit jedem Casting weiter runter: „Ach klar, kein Problem, wenn du in der Wohnung rauchst. Ja sicher, ich nehme auch das Durchgangszimmer.“, antwortest du deinem Gegenüber aus der WG, in der du dich auf das 10 Quadratmeterzimmer zum Preis von 490 Euro warm am hintersten Ende von Erlangen beworben hattest. Zwei Stunden später: Absage. Puh.

Am Ende nimmst du dann doch die Ein-Zimmer-Souterrain-Wohnung, die für deine Vermieter nichts anderes ist als ein geldscheißendes Zimmer im eh schon leerstehenden Keller. Auf 16 Quadratmeter wohnen, schlafen, arbeiten, kochen, duschen, Zähne putzen, aufs Klo gehen. Der Inbegriff des Studenten-Wohnens.

No risk, no fun

Zugegeben wird es mit der Wohnungssuche besser, wenn man erst einmal in Erlangen wohnt, sich auskennt und die richtigen Menschen in seiner Umgebung hat. „Ich kenne da jemanden, der kennt jemanden, dessen Bruder hat ein Zimmer frei.“ Neben günstig, schön und zentral kommt bei einer WG noch der Faktor „Mitbewohner“ hinzu. Bestenfalls sollte man mit diesen sympathisieren oder sich zumindest ausstehen können. Das ist wahrscheinlich einer der größten Risikofaktoren bei der Wohnungssuche. Ist man nämlich erst einmal eingezogen, hat man wenig Lust gleich wieder auszuziehen.

Aber auch nach dem Studium wird es mit der Wohnungssuche in Erlangen nicht einfacher. Wächst das Budget, wachsen automatisch die Ansprüche: Eine Spülmaschine wäre nett, eine schimmelfreie Dusche auch. Ein Balkon wäre ein Traum. Spoiler: Kompromisse wirst du eingehen müssen.

Das Licht am Ende des Tunnels

Hast du dann aber doch mal das Unmögliche geschafft und eine Wohnung gefunden, die all’ deinen Ansprüchen entspricht: Dann beginnt der richtige Kampf. Hau den Markler bei der Besichtigung um! Bring am besten gleich deinen Perso, Selbstauskunft, Arbeitsvertrag, Schufa-Auskunft, Bürgschaft, Vorvermieter-Empfehlung, Geburtsurkunde, Klassensprecher-Bescheinigung, Bundesjugendspiel-Teilnehmerurkunde und Fahrrad-Führerschein sowie Pralinen, Blumen, Wein und deine nackte Seele auf dem Tablett präsentiert mit. 😉 “Ach und du bist Berufsanfänger? Mhh… wer sagt denn, dass du dann überhaupt deine Miete zahlen kannst?”, klingen die Stimmen im Kopf des Vermieters. “Wir haben uns lieber für das akademische 40-jährige Pärchen entschieden. Wir bitten um Ihr Verständnis.” Alles klar, danke.


Du hast allen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, wenn du eine Wohnung in Erlangen suchst. So geht es jedem hier. Oft braucht es Glück und Geduld… und ein paar Tricks, die wir dir in einem anderen Artikel zusammengefasst haben. Vertrau mir: Je länger du hier lebst, desto größer wird auch die Chance, deine Traumwohnung in Erlangen nicht nur zu finden, sondern auch zu ergattern.