Wenn man das Holzgarten betritt, dann fällt zuallererst der riesige Tisch in der Mitte des Raumes auf. Er ist gute 5 Meter lang und aus fränkischem Muschelkalk – ein regionaler Import aus Kirchheim bei Würzburg, den der Betreiber Tom höchstpersönlich in seinem Transporter nach Erlangen gefahren hat. Das Thema “international aber regional” zieht sich durch das gesamte Restaurant und spiegelt sich sowohl im Mobiliar als auch in der Speisekarte wieder.

Die Wiederauferstehung des Spaghettistuhls

Bei der Gestaltung des Innenraums hatte die Betreiberin der Lamm-Lichtspiele ihre Finger im Spiel und hat das Holzgarten mit dänischen Hockern, einem Glasregal aus Messing und rosafarbenen Spaghettistühlen für den Außenbereich ausgestattet. Der farbenfrohe Blumenstrauß in der Mitte des Muschelkalktisches wird jede Woche von ihrer Mutter zusammengestellt.

Andere Länder, anderes Essen

Tom erzählt uns er findet es gäbe zu viele Cocktailbars und zu wenige Restaurants auf hohem Niveau in Erlangen. Der ehemalige Betreiber des Salz & Pfeffer hat anhand seiner Stammkunden festgestellt, dass es hier im Bereich Slow Food einiges an Nachholbedarf gibt. Nach mehreren Auslandsaufenthalten bringt er die Offenheit für neue Erlebnisse nun zu uns nach Erlangen und hat mit dem Holzgarten Raum geschaffen für Genuss und Kommunikation für jeden Geldbeutel und Geschmack.

Wein aus der Wand

Beim Umbau des Restaurants wurde eine Anlage ins Gebäude verbaut, die es nun erlaubt Wein direkt aus der Wand zu zapfen – so fließen die Hausweine (Holgarten-Cuvée vom Weingut Höfling und der 16sechs Rosé vom Bio-Weingut Drei Zeilen) perfekt gekühlt ins Glas. Natürlich kann der Wein in eine Flasche abgezapft und mitgenommen werden. Der Holzgarten ist sowohl Weinbar und Restaurant als auch Weinhandlung. Alle Weine können also auch für zu Hause hier gekauft werden. Tom legt dabei Wert auf eine faire Preisgestaltung. Egal ob es sich um einen günstigen oder sehr hochwertigen Wein handelt, wird auf den Außer-Haus-Preis immer das gleiche Korkgeld aufgeschlagen, wenn der Wein im Holzgarten getrunken wird.

Im Sortiment sind viele Natur- und Bioweine, die aus Franken, dem Rest Deutschlands und Südtirol stammen.

Besonders lecker ist der Holzgarten-Cuvée: sommerlich-erfrischend und ganz ohne Kopfweh-Potenzial am nächsten Morgen. An dieser Stelle sei noch einmal betont, dass das Holzgarten ein wunderbarer Ort ist, um in der Nachmittagssonne ein Glas Wein und einen Snack zu genießen – du musst nicht zwangsläufig zum Essen herkommen, sondern kannst auch außerhalb der Essenszeiten für ein Stündchen Dolce Vita vorbei schauen. Und für besondere Anlässe kannst du dir sogar Champagner servieren lassen.

Die Liebe zur Qualität

Das Slow-Food-Konzept des Salz & Pfeffer findet auch im Holzgarten Verwendung: auf der Karte sind ausschließlich hochwertige Zutaten vertreten, wie zum Beispiel das Dinkelbrot von Bäckermeister Arnd Erbel, original italienische Wurst, Bio-Ware aus Umbrien und regionale Lebensmittel aus Franken.

Das Besondere an der Speisekarte des Holzgarten ist, dass die Gerichte wöchentlich wechseln und sich somit viel um saisonale Produkte dreht. Das Team lässt viele Komponenten mit einfließen, die dem gewöhnlichen Erlanger Gaumen erst einmal als unkonventionell auffallen: zum Beispiel Rosenwasser, gelbe Beete und Salz-Zitronen. Dennoch sind alle Komponenten perfekt aufeinander abgestimmt und nichts wirkt deplatziert.

Selbst Salat schmeckt hier besonders

Die Auswahl auf der Speisekarte ist klein, aber fein: zur Vorspeise gibt es Wildkräuter-Salat, Miso-Aubergine oder gelbe Beete – die wesentlich sympathischere Schwester der roten Beete. Schon im Restaurant bekamen wir nach der Vorspeise nervöse Schweißausbrüche, denn wir konnten beim besten Willen keinen Favoriten finden, da wirklich alle Speisen der absolute Knaller sind. Als sonst vehemente Auberginen-Skeptikerin haben mich sogar die Miso-Auberginen in hohem Bogen vom dänischen Design-Hocker gehauen.

Das hohe Niveau setzte sich dann bei den Hauptspeisen fort: die Trüffel-Ricotta-Cannelloni als High Society-fähiges Comfort Food und auch das Lamm mit Muhammara-Linsen und der Steinbeißer mit Frühlingsgemüse haben uns nachhaltig beeindruckt. Was aber wirklich besonders war: der Oktopus ist ein Traum mit Tentakeln auf Mandel-Räuchererbsen-Creme. Zum Nachtisch haben wir noch Espresso und eine Zitronen-Mandel-Schnitte bekommen und wollten eigentlich am liebsten gar nicht mehr gehen.

Unbedingt probieren: etwas, wo du die Zutaten noch nicht kennst – zum Beispiel den Oktopus oder gelbe Beete
Veggie: immer mindestens ein Gericht auf der saisonalen Karte und die Shakshuka oder eine Snackplatte mit Brot
Besonderheit des Ladens: gehobene Küche für Erlangens vernachlässigte Feinschmecker
Mit wem gehst du hin: mit Freunden zum Wein trinken, mit dem Partner, wenn es was zu feiern gibt, wenn du Lust auf Italien-Feeling beim späten Frühstück hast, wenn die Eltern zu Besuch sind und einen ausgeben 😉
Lärmfaktor: unaufdringliche Musik und Gespräche im Hintergrund
Preise: logischerweise teurer als Fast Food – aber auch mit Studentenbudget machbar, wenn du dir mal was Besonderes gönnen willst