Da die Lehrveranstaltungen momentan ausschließlich online stattfinden, sind Studenten seit dem letzten Sommersemester gezwungen, ihren Vorlesungs- und Prüfungsalltag von zuhause aus zu bezwingen. Das ist für viele eine ungewohnte Situation und nicht immer ganz einfach. Sich zu motivieren und die Zeit richtig einzuteilen, fällt Studenten doch meist ohnehin schon schwer genug.

Gerade daheim lauern viele Ablenkungen und geben meist nicht die selben Voraussetzungen um sich zu konzentrieren. Wir geben dir daher Tipps, wie du dich daheim im Homeoffice richtig motivieren und vor allem strukturieren kannst und deinem Studienabschluss auch über Distanzunterricht nichts im Wege steht.

Tagesbeginn: Duschen und etwas Ordentliches anziehen

Zu Beginn des Tages hilft es, sich richtig anzuziehen. (Quelle: Pexels)

Wenn man Morgens nicht mehr gezwungen ist, das Haus zu verlassen und auch die Kamera im Videochat meistens aus bleibt, tendiert man gerne dazu, einfach den Schlafanzug oder die Lieblingsjogginghose anzulassen. Immerhin ist das bequem und es fällt ja eh keinem auf. Schieb diese verführerischen Gedanken schnell beiseite!

Es macht einen großen Unterschied, wenn du dich am Morgen duscht, dich wie sonst auch für den kommenden Tag fertig machst und dir etwas Ordentliches anziehst. Auf diese Weise gehst du den Tag ernsthaft an und kannst dich richtig fokussieren.

Es ist psychologisch bestätigt, dass wir Kleidungsstücke gedanklich mit gewissen Tätigkeitsfeldern verbinden, zum Beispiel Jogginghosen mit Freizeit und Arbeitskleidung mit der Büro- und Studienarbeit. Es ergibt daher Sinn, morgens die gewohnte Morgenroutine (Frühstück, Duschen, Anziehen) zu durchlaufen, um sich auf den Tag einzustimmen. Dies wird dir helfen, Ordnung zu halten und nicht in eine sorglose Haltung zu geraten.

Den Arbeitsplatz in Ordnung halten

Ordnung am Arbeitsplatz gibt Struktur. (Quelle: Unsplash)

Manche Menschen, die im Homeoffice arbeiten, wählen als Arbeitsplatz das Bett. Das ist keine gute Idee, da wir diesen Ort psychologisch mit dem Schlaf anstatt mit Arbeit assoziieren. Es ist besser, für die Arbeit und das Studium einen speziellen Ort auszuwählen, der wirklich für diese Tätigkeiten reserviert ist. Das Bett sollte übrigens außerdem nicht in Sichtweite des Schreibtisches steht, sondern dahinter oder in einem anderen Raum.

Ein weiterer Tipp, der wirklich kein Geheimnis mehr ist, besteht darin, am Arbeitsplatz stets Ordnung zu halten. Auf dem Schreibtisch sollten keine ablenkenden Gegenstände herumliegen, die nichts mit der Arbeits- oder Studientätigkeit zu tun haben. Mithilfe eines strukturierten Arbeitsplatzes kannst du dich besser auf das Wichtige konzentrieren: dein Studium.

Das Handy weglegen

Während du lernst, solltest du dein Handy weglegen, am besten an einen Ort wo du es weder hörst noch siehst. So stellen neu eingehende Benachrichtigungen keine Ablenkung dar. Auch Soziale Medien solltest du meiden, denn jede einzelne Unterbrechung stört deine Konzentration. Nach einer kleinen Handypause benötigt man im Schnitt 23 Minuten, um wieder in das Thema hineinzufinden.

Die Mittagszeit: eine Pause machen und etwas essen

Unter normalen Bedingungen würde man zur Mittagspause seine Kommilitoninnen und Kommilitonen schnappen, sich in der Mensa mit dem mehr oder weniger leckeren Essensangebot stärken und ausgelassen quatschen. Im Homeoffice ist das leider nicht möglich, dennoch solltest du zur Mittagszeit eine Mahlzeit zu dir nehmen und eine Pause machen.

Es ist wichtig, Pausen zu machen, um produktiv zu bleiben. Wer Pausen vernachlässigt, wird schnell erschöpft sein und beim Homeoffice an seine Grenzen gelangen. 

Übrigens noch ein Tipp zum Thema Essen: Besser isst du mehrmals am Tag größere Mahlzeiten, nämlich Frühstück, Mittagessen und Abendessen, anstatt dich mit Snacks und kleinen Zwischenmahlzeiten durch den Tag zu bringen, die immer nur für eine kurze Zeit den Hunger stillen.

Die Zeit einteilen und Ziele setzen

Mit einem Kalender behältst du deinen Zeitplan im Blick. (Quelle: Unsplash)

Im Unialltag ist der Tag zwar auch nicht so klar eingeteilt wie in einem Bürojob, dennoch gibt es bestimmte Anker, an denen man sich festhalten kann. Beispielsweise die Lehrveranstaltungen, Lernphasen in der Bibliothek oder zuhause und den Pausen mit Kommilitoninnen und Kommilitonen. Zuhause fällt diese Struktur leider weitgehend weg, abgesehen vielleicht von den über Videochat erteilten Lehrveranstaltungen, die immer noch an bestimmte Zeiten gebunden sind.

Umso wichtiger ist es, dass du dir selbst eine strukturierte Arbeitsweise angewöhnst und deinem Tag eine zeitliche Struktur gibst. Ein regelmäßiger, strukturierter Ablauf verschafft deinem Gehirn Sicherheit, sodass es auf Autopilot schalten kann und du deine Denkkapazität für andere Dinge wie das Lernen benutzen kannst.

Teile deine Zeit außerdem mithilfe eines realistischen, überprüfbaren und klaren Tages- und/oder Wochenplans ein und setze dir jeden Tag Ziele und Teilziele, die du erreichen möchtest. Durch diese Vorgehensweise motivierst du dich selbst, tätig zu werden und zu bleiben. Außerdem ermöglicht dir das Planen, im Nachhinein zu bewerten, wie gut du deine eigenen Arbeits- und Lernziele erreicht hast.

Wenn du an einem Tag oder in einer Woche nicht alles geschafft hast, was du dir vorgenommen hattest, solltest du dich davon nicht demotivieren lasst. Dies ist nur ein Hinweis, dass dein Pensum in der folgenden Woche entsprechend angepasst und verringert werden muss.

Prioritäten setzen

Eine Prioritätenliste kann helfen. (Quelle: Pexels)

Um Struktur in den eigenen Arbeits-, Studien- und Lernalltag zu bringen, kann es hilfreich sein, Prioritäten zu setzen. Wichtige Aufgaben mit hoher Dringlichkeit erhalten die höchste Priorität, weniger wichtige und dringende eine niedrigere usw.

Im Zeitmanagement unterscheidet man nach dem Eisenhower-Prinzip (benannt nach Dwight D. Eisenhower, dem 34. Präsidenten der USA) die vier Kategorien A, B, C und D, wobei auf die Wichtigkeit und die Dringlichkeit von Aufgaben eingegangen wird: Es gibt demnach wichtige und dringende Aufgaben der Kategorie A, die man sofort erledigen sollte (Krisen, Probleme, Fristen). Außerdem gibt es wichtige und nicht dringende Aufgaben der Kategorie B, die man auf einen späteren Zeitpunkt verschieben kann.

Dazu kommen kaum wichtige oder dringende Aufgaben der Kategorie C, die man reduzieren oder delegieren sollte (viele Anrufe und Mails) und zuletzt weder wichtige noch dringende Aufgaben der Kategorie D, die man einfach ignorieren und den Papierkorb verschieben kann.

Sich nach dem eigenen Tagesrhythmus richten

Bist du Lerche oder Eule? (Quelle: Pixabay)

Die Forschung zur sogenannten Chronobiologie weiß mittlerweile, dass jeder einen innere Uhr hat, die einem Phasen vorgibt, in der die eigene Produktivität besonders hoch ist, während es anders herum auch unproduktive Phasen gibt. Man unterscheidet je nach der Verteilung der Phasen die Frühaufsteher (genannt Lerchen), die bereits morgens topfit und produktiv sind, und die Langschläfer (genannt Eulen), die erst im Laufe des Tages wach werden, dafür aber auch abends und nachts noch aktiv und konzentriert bleiben.

Es hilft, den eigenen Rhythmus zu kennen. Denn gerade das Homeoffice und auch das Studium erlauben es, sich die Zeit so einzuteilen, dass man wichtige Aufgaben in den leistungsstarken, kreativen und produktiven Phasen des persönlichen Tagesablaufs legt. Weniger wichtige Routineaufgaben können in den Tiefphasen erledigt werden, in denen Konzentration, Motivation und Produktivität nachlassen.

Nach einem Erfolg: Belohnung nicht vergessen

Wenn der Arbeits- und Studientag beendet ist oder eine Teilaufgabe geschafft ist und du zufrieden mit dir bist, darfst du eine wichtige Sache nicht vernachlässigen: die Belohnung. Gönn dir eine kleine Pause und etwas Schönes, das dir gut tut. Was das jeweils ist, kann bei jedem unterschiedlich sein. Vom erholsamen Gang an die frische Luft über das lustige YouTube-Video bis hin zu Kochen oder Backen.

Mit anderen Studierenden in Kontakt bleiben

Der soziale Austausch fällt im Homeoffice weg. (Quelle: Unsplash)

Der letzte Tipp ist ein Hinweis, der in Zeiten von Social Distancing und Homeoffice nicht mehr selbstverständlich ist. Denn gerade wenn man sich viel allein zuhause aufhält und isoliert arbeitet und lernt, gibt es der Motivation einen Schub, sich mit anderen Studierenden auszutauschen.

Der soziale Aspekt des Studiums sollte nicht unterschätzt werden. Vor und nach den Vorlesungen und Seminaren sowie in den Lernpausen unterhalten sich die meisten Studierenden normalerweise mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen. Und in den Kursen gibt es Gruppenarbeiten und Referate, bei denen man in Kontakt zu anderen kommt. Doch all dies fällt aufgrund des Distanzlernens nun weg.

Du kannst dich stattdessen mit Freunden aus dem Studium per Videochat verabreden, mit ihnen Mails oder Nachrichten schreiben oder dich über Gruppen in Sozialen Medien mit anderen über Kurse, Studieninhalte und Prüfungsvoraussetzungen und -inhalte austauschen. Das Internet bietet für die Vernetzung untereinander eine Fülle von Möglichkeiten, die du ausschöpfen kannst.

Nicht zu streng sein

Ganz klar, das Homeoffice hält zahlreiche Ablenkungen bereit. Nicht immer kann man sich von ihnen fern halten. Hin und wieder muss man sich auch mal erlauben, etwas unkonzentriert und abgelenkt zu sein. Wenn dich gerade eine andere Tätigkeit im Haushalt oder eine Netflix-Serie lockt, geh diesem Reiz ruhig einmal kurz nach.

Aber mach dir klar, dass dies nur eine Art von Pause ist und du nach einer gewissen Zeit wieder zu deiner eigentlichen Arbeit, dem Studium und dem Lernen, zurückkehren musst. Nach der Unterbrechung arbeitest du produktiver und vor allem motivierter als zuvor.