Joachim Herrmann strahlt Ruhe aus, hat eine spürbare Begeisterung für Erlangen & die Region und er ist viel größer als wir vorher dachten!

Größer wird auch die Spannung, als er aus seiner schwarzen Limousine aussteigt.
Die Spannung verfliegt aber relativ schnell bei einem ersten lockeren Gespräch. Wir starten – bei einer Tour durch Erlangen – in ein sehr angenehmes Gespräch, bei dem wir sehr viel über ihn und seinen ganz persönlichen Bezug zu Erlangen erfahren.

Mit dem Fahrrad zur Schule

Pünktlich auf die Minute starten wir vor dem Gymnasium Fridericianum in Erlangen. Als Schüler hat er den Umzug der Schule von der Innenstadt (dort wo jetzt die Uni-Bibliothek steht) in den Erlanger Süden miterlebt.

Das waren auch die Anfänge des „Humblatts“. Er freut sich sehr, dass das „Humblatt“ noch immer besteht. Die Schülerzeitung hat er 1975 mit seinen Klassenkameraden ins Leben gerufen.

Interessant finden wir seine Antwort auf die Frage nach seinem Lieblingsfach. Er nennt uns die Mathematik mit der Begründung, dass er in Mathe einfach immer super Lehrer hatte, bei denen man im Unterricht alles verstanden hat und neben den Hausaufgaben nicht mehr viel lernen musste.

Ein Lichtblick für alle Schüler der Unter- und Mittelstufe: Joachim Herrmanns Noten in der Unter- und Mittelstufe waren „mittelprächtig, schwankend“. Sein Abitur hat er mit 1,1 bestanden.

Mit den Fächern Biologie und Chemie konnte Joachim Herrmann nicht so viel anfangen, erzählt er und erwähnt anschließend einige Details, die sich seit seiner Schulzeit verändert haben: Das Gymnasium ist nicht mehr so betongrau wie früher und die Stadtbusse fahren mittlerweile direkt vor die Schule. Früher hielten hier nur die Busse der Landkreise. Die Stadtkinder mussten von der Haltestelle an der Fakultät bis zum “Fritzi” laufen.

Ihn selbst hat das als Schüler recht wenig interessiert.
Joachim Herrmann war schon immer viel mit dem Fahrrad unterwegs. Zum Fridericianum fuhr er mit dem Fahrrad in 12 Minuten.
„Ich bin selten zu spät gekommen, aber meistens immer eher knapp“, sagt er von sich selbst.

Auch heute fährt er noch gerne durch den Meilwald hoch nach Atzelsberg und auch in München fährt er Fahrrad, sofern es seine Termine ermöglichen. Wenn er vom Innenministerium zur Staatskanzlei über den Hofgarten mit dem Fahrrad fährt, ist er deutlich schneller als mit dem Auto.

Erlangen hat ihn geprägt

Wir haben den Eindruck, dass Erlangen ihn sehr geprägt hat. Er spricht immer wieder vom Radfahren und dass es ihm wichtig ist, das Fahrradfahren einfacher und sicherer zu machen.

Außerdem ist er stolz auf seine Heimatstadt, die sehr weltoffen aufgestellt ist und viele internationale Beziehungen pflegt. Das sei für eine kleine Großstadt mit gerade mal gut 100.000 Einwohnern sehr beachtlich und kann sich sehr gut sehen lassen neben den anderen Großstädten mit deutlich höheren Einwohnerzahlen.

Wir haben natürlich auch nachgefragt, was er an Erlangen nicht mag. Wenn der bayerische Innenminister lediglich den Umstand bemängelt, dass der Erlanger Verkehr bei Schnee und Eis schneller stillsteht als der Münchner Verkehr, dann können wir damit leben.

Inzwischen sind wir mit dem Bus am Hugenottenplatz angekommen. Von dort laufen wir gemeinsam über den Schlossgarten zum Café Sax.
Auf dem Weg dorthin spricht Joachim Herrmann über seinen Rückhalt: seine Familie.

„Ich habe eine wunderbare Familie“

Wenn er früh um 6:45 Uhr aufsteht, um 08:00 Uhr im Büro ist und dann nach allen Tagesterminen erst gegen 00:00 Uhr nach Hause kommt, ist die Zeit mit seiner Familie sehr begrenzt.

2 bis 3 mal in der Woche übernachtet er zudem nicht in Sieglitzhof sondern in München. Dementsprechend sehen sich seine Frau und er auch nicht so oft.
Trotzdem schaffen die beiden es, Traditionen aufrecht zu halten – das abwechselnde Brötchenholen am Sonntag oder das anschließende Besuchen der Kirche.
Sie haben sich „beide daran gewöhnt“.

Seine drei Kinder, die auch im Fridericianum zur Schule gegangen sind, sieht er eher weniger, seitdem sie aus dem Haus sind. Tochter Katharina trifft er ab und zu in München. Sie arbeitet dort in einer Bank. „Der Mittlere“, Lukas arbeitet seit einem Jahr in einer Beratungsfirma, nachdem er wie seine Schwester BWL studiert hatte. Sein jüngster Sohn Jakob „begeistert sich sehr für das Jura-Studium in Regensburg“ und kommt so beruflich ganz nach dem Vater, auch wenn man das „von ihm in seiner Schulzeit am wenigsten erwartet“ hat.

Er spricht auch mehrmals von seinen Eltern und beschreibt beide als Vorbilder, als Personen die ihn sehr geprägt haben. Er hatte ein sehr enges Verhältnis zu seinem Vater, seiner Mutter, seiner Oma und zu seiner 2 ½ Jahre jüngeren Schwester, die leider sehr jung vor 30 Jahren an Krebs gestorben ist.

Insgesamt gewinnen wir den Eindruck, dass die Familie für Joachim Herrmann sehr wichtig ist.

Das bringt der Beruf mit sich

Im Café erfahren wir mehr über seine Kochkünste, die sich auf Bratwürste, Weißwürste und Fertiggerichte beschränken. – das bringt der Beruf wohl mit sich.

„Das sind Bilder, die man so schnell nicht vergisst.“

Bei der Frage nach den Schattenseiten seines Berufs erzählt er mit bedrückter Miene unter anderem von einem Unfall, zu dem er gerufen wurde, auf der A9 Richtung Marktredwitz, wo er vor Ort zusehen musste, wie eine junge Feuerwehrfrau, eine verkohlte Leiche aus einem ausgebrannten Bus zog.

Digitalthemen sind uns wichtig

Joachim Herrmann erzählt auch von seiner Vorliebe für Süßspeisen, insbesondere Eis und Kaiserschmarrn, worauf wir ihm spontan noch eine neuere Eisdiele in Erlangen gezeigt haben.

Auf dem Weg dorthin müssen wir als digitales Stadtmagazin natürlich auch noch ein paar Fragen zum Thema “Digital unterwegs” stellen. Wir erfahren, dass er bei langen Autofahrten oder Sitzungen gerne mal eine Runde Solitär auf dem Handy spielt und dass viele seiner früheren Apps und Spiele leider mit neuen Sicherheitsupdates gelöscht wurden.

Wir sprechen mit ihm auch über seinen Besuch beim ZOLLHOF in Nürnberg. ZOLLHOF unterstützt junge technische Unternehmen dabei, Fuß zu fassen und zu wachsen.

Joachim Herrmann beschreibt es als „faszinierend, dass diese Leute wissen, was in drei Jahren von Bedeutung sein wird“. Er selbst sagt von sich, dass er das alles gar nicht richtig greifen kann, findet es aber sehr interessant mit welchen Themen sich der ZOLLHOF befasst.

Immer unterwegs

Wie viel Zeit Joachim Herrmann für seinen Beruf aufbringt, wird uns am Ende des Gesprächs noch einmal bewusst.

Für Herrn Herrmann geht es direkt nach unserem eineinhalb stündigen Gespräch weiter in den Landkreis Aschaffenburg. Von dort spät nachts nach Hause und am nächsten Tag, an seinem Geburtstag, zur nächsten Veranstaltung.