Die 84-jährige Mutter von Claudia G. ist, wie viele andere Menschen in ihrem Alter, auf Pflege angewiesen. Aufgrund einer schweren Erkrankung ist es ihr seit über drei Jahren nicht mehr möglich, sich alleine zuhause zu versorgen. Sie sitzt im Rollstuhl und braucht unter anderem Unterstützung beim Waschen und Anziehen. Bei der Recherche nach einem Betreuungsservice entschied sich die Tochter der Pflegebedürftigen für die Betreuungswelt – eine Firma, die Betreuungskräfte aus Osteuropa vermittelt. Wir haben mit Claudia bei einem Kaffee über ihre Erfahrungen gesprochen.

Autonomie im Alter

Dass die 84-Jährige in den eigenen vier Wänden wohnen bleibt, war von Anfang an klar: “Ich stand vor der Wahl, meine Mama in eine Pflegeeinrichtung zu geben oder ihr zu ermöglichen, dass sie weiter zuhause wohnen kann,” erzählt die Tochter. Sie habe sich für Letzteres entschieden, denn so könne ihre Mutter in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Für viele ältere Menschen wirkt sich ein Ortswechsel oft negativ aus. Fremde Gesichter, eine unbekannte Umgebung und der damit verbundene Stress können im hohen Alter enorme gesundheitliche Folgen haben. Das belegen auch Studien. Claudia betont außerdem, dass die 1-zu-1-Betreuung ein riesiger Vorteil sei, der in einem Pflegeheim nicht gewährleistet werden kann. Für ihre Mutter sei es einfacher, immer die gleiche Bezugsperson zu haben.

“Ich kann nachts wieder ruhig schlafen. Als meine Mama noch alleine zuhause war, gab es ab und an einen Notfall. Dann hat sie mich nachts angerufen. Jetzt weiß ich, da ist jemand vor Ort, der sich kümmert.”

Claudia

Betrunkene Betreuerin

Bevor Claudia und ihre Mutter allerdings vollumfänglich zufrieden waren, probierten sie innerhalb von zweieinhalb Jahren eine Vielzahl von Agenturen aus. Die Erfahrungen, die beide – Pflegebedürftige und Angehörige – machten, waren teilweise schwierig. Einmal fiel auf, dass die vermittelte Betreuerin aus Osteuropa ziemlich oft einkaufen ging – bis zu viermal täglich – und sich deshalb nicht richtig um die 84-Jährige kümmerte. Es sei auch schon vorgekommen, dass eine ausländische Pflegekraft einfach nicht angereist ist und ein anderes Mal sei eine der Vermittelten betrunken gewesen.

Betreuungswelt Matthias Maiwald

Glücklicherweise stößt Claudia bei ihrer Suche schließlich auf die Betreuungswelt; genauer auf Matthias Maiwald aus Erlangen. Auf der Website der Firma füllt sie zuerst ein Kontaktformular aus und schildert, wie groß der Betreuungsumfang für ihre Mutter ist und welche Aufgaben im Detail von der Betreuungskraft zu erledigen wären. Auf die Anfrage hin nimmt Maiwald, der Ansprechpartner vor Ort, Kontakt zu Claudia auf und klärt zusätzliche Details. Die Profil-Vorschläge der Betreuerinnen, die ihr auf der Basis ihrer Anforderungen gemacht werden, sind zwar von Maiwald beauftragt, stammen aber letztlich von verschiedenen polnischen Agenturen. Dann liegt es an der Familie von Claudia sich zu entscheiden.

Ein neues Familienmitglied

Nachdem die Entscheidung gefallen ist, nimmt die Angehörige der Pflegebedürftigen telefonischen Kontakt zur ausgewählten Betreuerin auf. “Das nette Gespräch mit Ludmila aus der Ukraine, gab mir damals das Gefühl, dass meine Mama bei ihr sehr gut aufgehoben sein wird”, sagt die Tochter rückblickend. Der Kontakt zur zukünftigen Betreuungskraft reißt bis zu ihrer Anreise nicht ab. “Wir hatten intensiven Kontakt; tauschten beispielsweise über WhatsApp Bilder aus”, berichtet Claudia. Das gibt beiden Seiten Sicherheit.

“Für die andere Seite ist das Ganze natürlich auch ein Abenteuer: fremdes Land, fremde Menschen.”

Claudia

Im September 2018 kommt Ludmila dann in Deutschland an. Zwischen ihr und der 84-Jährigen passt es zwischenmenschlich sehr gut. Wie wichtig das ist, betont die Tochter der Seniorin immer wieder. Immerhin lebt die Betreuerin bei der Pflegebedürftigen. Beide haben bereits eine enge Bindung zueinander aufgebaut. Aber auch mit dem Rest der Familie sei die Betreuungskraft zusammengewachsen: “Man nimmt einfach gegenseitig Anteil am Leben des anderen. Mich interessiert beispielsweise auch, wie es Ludmilas Familie in der Ukraine geht”, sagt die Angehörige. Bald ist die Zeit bei Claudia & Familie für die ausländische Betreuungskraft allerdings abgelaufen. Das Visum gilt maximal drei Monate. Nach einer einmonatigen Pause anlässlich der Weihnachtszeit kommt Ludmila im Januar nochmal für drei Monate wieder. Doch ab April werden sich Claudia und ihre Mutter nach einer neuen Betreuerin umsehen müssen. Damit auch diese Suche wieder reibungslos läuft, steht Claudia und ihrer Mutter das Team der Betreuungswelt zur Seite.

“Die Betreuungswelt ist in meinen Augen eine ganz tolle Alternative zum Pflegeheim.”

Claudia