Philip Maiwald hat vor kurzem in einer Erlanger Facebook-Gruppe einen Link zu seinen Bildern gepostet. Klingt erstmal unspektakulär. Doch auf den Bildern hat Philip das Nürnberger Tor in Erlangen nachgebaut. Die Bilder wurden mit der Software “Blender” erstellt und sehen täuschend-echt aus.

Philip Maiwald

Philip, wie kamst Du dazu, das Nürnberger Tor in deinen Bildern wieder aufzubauen?

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich immer mal wieder mit 3D-Modellierung und dem Rendern von Bildern – also der Berechnung eines fertigen Bildes daraus. Dazu schaue ich mir Tutorials an und versuche das in eigenen Szenen nachzuahmen um zu üben. Neulich habe ich ein solches Tutorial über Fotorealismus gesehen und beim Stöbern in einem Forum ein wirklich beeindruckendes Bild von einem alten Bauwerk mit viel verwittertem Mauerwerk gesehen. Da ich in der Südlichen Stadtmauerstraße wohne und täglich mehrmals am ehemaligen Standort des Nürnberger Tors vorbeikomme, kam mir daraufhin irgendwann diese Idee. Computergrafik hat ja seinen Ursprung dort, wo etwas nicht vorhandenes abgebildet werden soll – sonst kann man ja ein Foto machen. Inzwischen gilt das längst nicht mehr, denn es ist oft viel günstiger CGI (= Computer Generated Imagery) zu verwenden: ein IKEA-Katalog enthält kaum noch ein echtes Foto, genauso wie in keiner Auto-Werbung noch ein echtes Auto gefilmt wird. Auch in Hollywood wird oft der Computer nicht mehr nur eingesetzt wo es Fantasy-Monster zu erschaffen gibt, sondern in alltäglichen Szenen um die Reise an einen anderen Drehort zu sparen oder keine größere Kulisse bauen zu müssen. Absurd wird es dann, wenn der Vfx-Hundehaufen aus John Wick, der eine Sekunde im Bild ist, angeblich 5000$ kostet.

Wie lange hast Du gebraucht, bis Du das Bild fertig hattest?

Ich mache das ja zum Hobby und bin blutiger Anfänger, daher probiere ich viel aus und muss immer wieder erst nach passenden Lösungen suchen. Ich habe bestimmt seit über einem Monat daran rumgebastelt – immer mal wieder ein, zwei Stunden. In Summe wird aber eine Arbeitswoche nicht reichen. Eigentlich wäre es auch noch nicht fertig, es sind noch grobe Schnitzer drin, aber irgendwann hat mich die Geduld verlassen und ich wollte lieber was Neues machen. Je nachdem welches Level an Perfektion man anlegt, kann man vermutlich ewig daran feilen. Irgendwann ist auch ein Punkt erreicht, bei dem man nicht mehr viel lernt oder selbst garnicht mehr sieht, warum es nicht “echt” aussieht. Man schaut es an und sieht, dass es unreal wirkt, hat aber keine Ahnung, was genau nicht daran stimmt. Daher habe ich irgendwann aufgehört und es eben einfach mal auf Facebook gepostet, damit das Projekt endlich zu Ende ist.

Nachtansicht der Frontperspektive – © Philip Maiwald

Und wie macht man solche Bilder überhaupt?

Ich verwende eine Software namens Blender. Die ist kostenlos und es gibt daher eine breite Community, die Hilfestellung dazu anbietet. In dem Umfeld gibt es verschiedenste Produkte, die teilweise ein Vermögen kosten; aber letztlich ist der Arbeitsablauf immer gleich:

man erstellt zuerst ein 3D-Modell – dazu gibt es verschiedenste Werkzeuge mit denen man Punkte, Linien und Flächen im dreidimensionalen Raum modifizieren kann.

Danach weist man den Objekten ein Material zu, das beschreibt Farbe, Reflexion, Oberflächenbeschaffenheit usw.

Nun muss man alles in einer Szene anordnen, mit Lichtquellen entsprechend ausleuchten, die Kamera platzieren und dann kann daraus ein Renderer mittels Raytracing ein Bild berechnen.

Vereinfacht gesagt wird dazu für jeden Pixel der Bildebene ein Lichtstrahl von der Kamera aus über alle auftretenden Reflexionen bis zu einer Lichtquelle verfolgt. Dabei wird die Farbe und Helligkeit dieses Strahls ermittelt und so der Pixel passend eingefärbt. Das ganze kann dann je nach Qualität, Auflösung und Rechner auch mal mehrere Stunden dauern. Hier wird eigentlich die Physik nachgebildet, die ein echter Lichtstrahl auch erlebt, wenn er durch die Welt fliegt, nur halt in einem sehr einfachen Modell. Interessant finde ich dann wieder, dass diese künstliche Kamera sogar zu perfekt ist. Hersteller von optischen Kameras versuchen die Fehler von Linsen immer besser auszumerzen, z.B. dass es Spiegelungen von hellen Lichtquellen gibt, oder dass Geraden gekrümmt dargestellt werden oder Farben am Rand des Fotos etwas auseinanderlaufen. Genau diese Fehler muss man bei Computerbildern absichtlich nachahmen, um dem Betrachter das Gefühl zu geben ein Foto anzusehen, weil wir uns einfach an diese Fehler gewöhnt haben oder sogar unser Auge diese Fehler produziert.

Dürfen wir uns noch auf weitere Bilder von Dir freuen, die Erlangen von früher zeigen?

Ich weiß das noch nicht. Ich bin immer recht wechselhaft was meine Hobbies angeht. Das ist jetzt auch nichts, was mir im Sommer viel Freude bereitet und ich sitze ja in der Arbeit als Softwareentwickler schon viel am Computer. Und ob das nächste Projekt dann ein Erlanger Motiv wird, weiß ich auch noch nicht. Immer was mir gerade Spaß macht und zu dem Stoff passt, den ich gerade ausprobieren will. Allerdings haben mir die vielen positiven Kommentare zu dem Nürnberger Tor-Motiv schon gut gefallen. Eine Dame hat sich gemeldet, die als Kind noch durch das Tor gegangen ist und sie hat dann vor ihren Erlebnissen in der Kriegszeit erzählt, die sie damit in Verbindung bringt. Das hat mich dann schon berührt, dass dieses Gespräch nur wegen meinem Post entstanden ist. Vielleicht ist das doch ein Grund wieder was aus der Erlanger Geschichte aufzugreifen. Mal sehen.