Im 5. Stock des Rathauses befindet sich seit Mitte Juli 2016 ein Infopoint für Flüchtlinge und Migranten, ein heller Raum mit nettem Blick über Erlangen.

Am Schreibtisch sitzen Frau Schaub und Lilaf. Beide unterstützen Flüchtlinge im deutschen Bürokratie-Dschungel. Frau Schaub gehört zur Stadt. Sie war früher beim Ordnungsamt tätig, danach bei den Asylbewerberleistungen. Nun sitzt sie am sogenannten Infopoint. Frau Schaub ist damals zum Bereich Asyl gewechselt, weil sie die „Flüchtlingskrise“ mit eigenen Augen sehen wollte anstatt nur über den Fernsehmonitor.

Lilaf ist 23 Jahre alt. Sie ist über den Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V. (kurz: ASB) angestellt. Lilaf spricht vier Sprachen: Kurdisch, Arabisch, Englisch und Deutsch. Deshalb fungiert sie als Dolmetscherin. Die junge Frau wurde am Infopoint eingestellt, weil es Flüchtlingen ein gutes Gefühl gibt, komplexen Papierkram mit jemandem zu besprechen, der ihre Muttersprache beherrscht und dazu noch eine ähnliche Geschichte hat.

Lilaf ist nämlich selbst Flüchtling. Sie kam vor etwa 1,5 Jahren mit ihrer jüngeren Schwester nach Deutschland. Ihre Heimat liegt im Norden Syriens: Aleppo.

Sie besucht an der Volkshochschule einen Integrationskurs inklusive Deutschunterricht. Als die Zahl der Flüchtlinge anstieg, versuchte die Stadtverwaltung Flüchtlinge in der Flüchtlingsarbeit miteinzubeziehen. So kontaktierte Amil Sharifov, der bei der Stadt Erlangen für die Koordination der Flüchtlingsarbeit zuständig ist, Lilaf. Erst übernimmt sie ehrenamtlich Dolmetschertätigkeiten. Dann wird der Infopoint eingeführt.

Er wurde geschaffen, um effektiv über Zuständigkeiten aufzuklären. Frau Schaub und Lilaf geben hier Auskunft darüber, welche Dokumente dem jeweiligen Migranten fehlen oder wo im Gebäude er den richtigen Ansprechpartner für sein Anliegen findet.

Marina Zellner, Studentin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, hat sich im Rahmen einer kleinen Studie dem Infopoint gewidmet. Effektiv scheint er jedenfalls zu sein: Die durchschnittliche Verweildauer beträgt 3 Minuten. Andere Ergebnisse der einmonatigen Untersuchung ergeben:

81 Prozent der Infopoint-Besucher sind männlich.
51 Prozent der Infopoint-Besucher sind Syrer.
83 Prozent der Infopoint-Besucher sind jünger als 46.

Lustiger Fakt: 7 Prozent der Infopoint-Besucher waren Deutsche, die sich verlaufen hatten. Herzlichen Glückwunsch, ihr habt es in die Studie geschafft!

Wer Lilaf am Infopoint nach einem Job oder einer Ausbildung fragt, wird von ihr übrigens an das gemeinsame Arbeitsmarktbüro (gemAMB) von Stadtverwaltung, Agentur für Arbeit und Jobcenter weitergeleitet – eine weitere Initiative der Stadt. Das Büro besteht ebenfalls seit Sommer 2016. Hierher wird aber nur vermittelt, wenn auch sicher ist, dass dem Aufenthaltsgesetz zufolge gearbeitet werden darf. Nichts ist für einen arbeitswilligen Migranten frustrierender und unverständlicher als bei der Agentur für Arbeit gesagt zu bekommen: „Du darfst nicht arbeiten.“

Ein Termin beim gemAMB ist der erste Schritt in Richtung Arbeit. Er bedeutet, dass theoretisch gearbeitet werden darf und nun praktisch nach einer Arbeits- oder aber Qualifizierungsmöglichkeit gesucht wird. Amil Sharifov erzählt, dass bisher vor allem Helfertätigkeiten vermittelt wurden. Geplant ist jedoch, Migranten einen langfristigen Job zu vermitteln oder aber einen geeigneten Ausbildungsplatz für sie zu finden.

Lilaf dagegen hofft darauf später einmal studieren zu können. Ihre Pläne dafür sind schon ziemlich konkret: Sozialpädagogik in Nürnberg.

Sozialpädagogik, denn die Arbeit beim Infopoint gefalle ihr. Auf diese Weise könne sie anderen Menschen helfen. Frau Schaub bestätigt Lilafs Talent im Umgang mit anderen: „Sie macht das ganz toll, tritt auch Männern gegenüber bestimmt auf. Es kann ja schonmal vorkommen, dass jemand lauter wird, wenn etwas mit den Papieren nicht passt.“ Es gebe sogar Infopoint-Besucher, die extra warten, bis Lilaf da ist beziehungsweise nochmal ihretwegen wiederkommen.

Den Raum Nürnberg hat Lilaf für ihren Traum „Studium“ ausgesucht, weil Erlangen den Studiengang nicht anbietet. Sie möchte aber gern hier bleiben. Erlangen sei für sie eine kleine, überschaubare Stadt. Hier habe sie sich schon eingelebt.