Okay, ich gebe zu: Als ich im Sommer 2013 eine Zusage für einen Studienplatz an der FAU bekommen habe, dachte ich, ich würde in Nürnberg studieren. Erlangen war mir bis zu meiner Immatrikulation gänzlich unbekannt. Nach nun über 3 Jahren in der kleinsten Großstadt Deutschlands habe ich meine ganz persönlichen Lieblingsplätze in Erlangen gefunden, die für mich ein kleines Stück 2. Heimat geworden sind. Diese möchte ich euch hier vorstellen:

Tennenlohe

In diesem Teil Erlangens nahe der TechFak, der mehr einem Dorf als einem Stadtteil anmutet, habe ich die größte Zeit meines Studiums gewohnt. Warum ausgerechnet Tennenlohe? – Nun ja, jeder Einwohner Erlangens weiß, wie schwer es ist, hier eine Bleibe zu finden. Die Wohnung in Tennenlohe war die erste, die von Größe und Preis her passend für mich war, sodass ich sie sofort nach der Besichtigung genommen habe. Als Dorfkind hat es mir Tennenlohe außerdem leicht gemacht, dort anzukommen. Schon nach wenigen Wochen kannte ich alle Mitarbeiter im Edeka und im Sommer war es herrlich, über die Felder zu spazieren. Außerdem war dies mein täglicher Ausblick (oh ja, ich hatte stolze 6m² Balkon!):

Altstadt/WG-Leben

In der Erlanger Altstadt habe ich meine ersten WG-Erfahrungen gesammelt. Diese waren für mich sehr wichtig, da WGs wohl die typischste Wohnform für Studenten ist. Allen Vorurteilen und Klischees zum Trotz (mimimi, niemand hält sich an den Putzplan, mimimi, meine Mitbewohner sind so laut, mimimi, wer hat mein Essen gegessen, mimimi, der blockiert so lange das Bad) hatte ich eine wunderbare Zeit in meiner 2er WG (M., ich würde jederzeit wieder mit dir in eine WG ziehen! ❤). Man lernt viele neue Leute kennen, feiert Hauspartys mit den Nachbarn, verbringt lustige Fernsehabende mit dem Mitbewohner. Grade der Aspekt, dass man abends nicht allein ist, ist meiner Meinung nach ein großer Vorteil gegenüber der eigenen Wohnung.
Das Leben in der Altstadt hat mir noch mal neue Seiten von Erlangen offenbart: Die Turmuhr am Martin-Luther-Platz erinnert mich jeden Morgen freundlich daran, wenn ich mal wieder spät dran bin; auf dem Weg in die Stadt schlendert man an schönen Fachwerkhäusern entlang, die niedliche, individuelle Läden beherbergten: Ein hübsches Café hier, ein kleiner Schuhladen dort, alles ist auf einem Fleck und hat seinen eigenen Charme. Und nach langer Zeit in Tennenlohe habe ich die direkte Nähe zum Zentrum und zur Uni wirklich sehr zu schätzen gelernt!

E-Werk

Nicht erst, als ich in der Alstadt in unmittelbarer Nähe zum E-Werk gewohnt habe, bin ich dort feiern gegangen. Das E-Werk war für mich der erste Club, in dem ich Nächte in Erlangen durchgetanzt habe. Die Uni-Fete zum Semesterstart war jedes Semester Pflicht und die 90er gehört zu meinen liebsten Partys. Zwar habe ich dort so manch Skurriles erlebt, aber das gehört zu einem guten Partyabend dazu… ☺️

Café Bismarck

Das Café Bismarck hat erst in der Mitte meines Studiums aufgemacht und ist seitdem quasi mein zweites Zuhause in Erlangen. Dank seiner Nähe zur PhilFak habe ich mir oft zur Aufmerksamkeitssteigerung vor der Vorlesung einen Kaffee dort geholt. Es hat mich stets warmherzig aufgenommen, wenn ich eine Pause vom Blockseminar gebraucht oder mit einer Kommilitonin für die anstehende Klausur gelernt habe. Ich weiß gar nicht, wie viele Treue-Stempelkarten ich dort schon vollgemacht habe!

Carpaccio

Am Tag meiner Immatrikulation, der erste Tag, an dem ich Erlanger Boden betrat, fanden mein Bruder und ich eher zufällig das italienische Restaurant am Bohlenplatz – und bekamen prompt ein Tiramisù zum Nachtisch geschenkt. Als meine beste Freundin mich das erste Mal in Erlangen besuchte, zeigte ich ihr das Carpaccio – fortan war dies unser Lieblingsrestaurant und sollte noch öfter von uns aufgesucht werden! Das Essen ist top, die Pizzen riesig und die Kellner sind sehr kumpelig.

Last but not least: BERCH!

Oh ja, der Berch, ich bin ihm schnell verfallen. Zugegeben, auch er war mir vor meinem Studium in Erlangen unbekannt. Ich dachte: „Bergkirchweih? Wow, wie die hier alle auf ein Kirchenfest abgehen!“. Als ich dann das erste Mal oben war, war ich erst etwas geschockt; zwischenzeitlich dachte ich: „Um Himmels Willen, ich komme hier nie wieder lebend raus!“, aber mit jedem Gang auf den Berch wusste ich ihn besser zu handhaben. Als selbsternannte 1. Hofdame der Bierkönigin habe ich 2015 und 2016 besonders lustige wie skurrile Dinge erlebt, die ich gerne meinen Freunden in der Heimat erzähle, für die der Berch ein großer, fränkischer Mythos ist.
Und egal, wo es mich in die nächsten Jahre hin verschlägt – zum Berch werde ich mit Sicherheit immer wieder nach Erlagen zurück kommen (trotz meiner Aversion gegen Dirndl…)!