Gabi Herdegen ist mehrfache deutsche Meisterin im Tanzen in den Kategorien Standard, Latein und der Königsdisziplin 10-Tanz. Seit 10 Jahren leitet sie in Erlangen die Tanzschule CenterStage, die kürzlich in Studio 58 umbenannt wurde und mit frischem Look und tollen Angeboten aufwartet. Wir trafen Gabi zum Interview:

Gabi, du warst im Tanzen extrem erfolgreich. Jetzt leitest du ein Tanzstudio. Warum Tanzen?

Tanzen liegt bei uns in der Familie. Ich stamme aus Slowenien. Da lebt man das südliche Temperament. Da bewegt man sich, sobald man Musik hört. Mir wurde das also gewissermaßen in die Wiege gelegt. Zum Turniertanzen bin ich dann eigentlich viel zu spät gekommen. Mit 12 Jahren habe ich angefangen. Eigentlich beginnt man da aber schon mit 5 oder 6 Jahren. Trotzdem war ich ziemlich schnell ziemlich erfolgreich

Was bedeutet Tanzen für dich persönlich?

Tanzen bedeutet für mich in erster Linie Bewegung und ich bewege mich gern. So wie andere Leute ins Fitnessstudio gehen, tanze ich eben. Bewegung hat für mich wiederum sehr viel mit Lebensqualität zu tun. Tanzen macht glücklich. Es sollten viel mehr Leute tanzen.

Im Fernsehen erlebt das Tanzen ja in Form von Unterhaltungsshows wie Let‘s Dance einen Aufschwung. Was hälst du von dem Format?

Ich finde Let’s Dance toll. Es ist wichtig, dass das Tanzen nicht nur als Leistungssport betrieben wird. Jeder kann tanzen. Das will nur keiner glauben. Solche Shows zeigen, dass es funktioniert.

Dazu kommt natürlich, dass ich viele Tänzer, die dort mitmachen, kenne. Massimo stand bei Turniertänzen meist mit mir zusammen auf dem Treppchen. Motsi hat im selben Verband getanzt wie ich. Auf der Tanzfläche waren wir Konkurrenten, abseits davon aber Freunde.

War es ein schwerer Schritt für dich, sich von den Turniertänzen zu verabschieden?

Nein eigentlich nicht. Ich habe mich schon sehr zeitig von den Wettbewerben verabschiedet. Damals war ich 21 Jahre alt, hatte aber trotzdem alles, was ich mir ersehnt habe. Ich war mehrfache deutsche Meisterin, stand in der Weltrangliste zwischenzeitlich unter den ersten 10. Ich hatte alles erreicht, was ich wollte. Da ist es nicht allzu schwer gewesen, aufzuhören.

Wie schwer ist es, nach der Zusammenarbeit mit Profitänzern eher unbegabten Menschen das Tanzen beizubringen?

Nicht schwer. Es gibt kein untalentiert. Es steht und fällt alles mit der Lehrkraft. Man kann jeder Person innerhalb seiner Möglichkeiten immer weiterhelfen, sich zu verbessern. Vielen Menschen in unserem Studio geht es neben dem sportlichen Ehrgeiz auch einfach um Freude. Wenn beispielsweise ein Ehepaar zum Tanzkurs kommt, dann verabreden sich die beiden zu einem schönen Abend. Die gemeinsame Zeit ist dann viel wertvoller, als der richtige Takt und der technisch perfekt ausgeführte Schritt.

Wer tanzt besser: Frauen oder Männer?

Das kann man so natürlich überhaupt nicht festlegen. Ich beobachte aber, dass beim Paartanz vor allem die Frauen immer wieder das Zepter in die Hand nehmen möchten. Die wollen führen. Aber das ist beim Tanzen absolute Männersache!

Gibt es überhaupt abseits des Turniertanzes Männer, die gern tanzen?

Ja natürlich. Tanzstunden sind auch immer für Überraschungen gut. Ich habe da eine ganz romantische Geschichte auf Lager: Kurz vor einem Tanzball hat ein Mann seiner Ehefrau zuliebe Tanzstunden genommen. Sie wusste aber nichts davon. Er hat sich immer mit beruflichen Terminen rausgeredet. Als dann der große Abend gekommen war und die Musik anfing zu spielen, stand er vor ihr und fragte „Darf ich bitten?“. Es war wunderschön anzusehen, wie überrascht sie war und wie sehr sie sich gefreut hat.

Das hört sich toll an. Du überraschst momentan aber auch – und zwar mit einem neuen Look in Sachen Tanzschule. War es Zeit für etwas Neues?

Wir hießen früher CenterStage. Dann ist die Ballettschule, die mit integriert war, ausgezogen. Damit hat sich auch ein Stück weit die Philosophie der Tanzschule geändert. Das haben wir als Anlass genommen, ein neues Design und einen neuen Namen einzuführen.

Also ist vom Angebot her alles beim Alten geblieben?

Prinzipiell schon. Wir erweitern unsere Angebote sowieso stetig. Bei uns findet jeder, der sich bewegen will etwas Passendes. Sowohl für Mamas mit ihren Babys gibt es bei uns Angebote als auch für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren. Das reicht dann von Fitness über Ballett bis hin zum Tanzen.

Euer Motto lautet jetzt: Wir bewegen Erlangen. Klingt mehrdeutig …

Ja das stimmt. Es drückt alles aus, was wir vom Studio 58 auch meinen. Wir bewegen Erlangen einerseits, weil wir ein Tanzstudio sind. Bei uns kann man Sport treiben.

Außerdem sind wir insgesamt ein sehr junges und dynamisches Team. Wir bewegen auch etwas, weil wir Trends mitbringen und gerne Neues ausprobieren. Ich arbeite international und bringe oft Einflüsse aus anderen Ländern mit ein. Das ist in meinen Augen wichtig. Immer in Bewegung bleiben – körperlich und geistig.